Jan Söffner: „Um die Gegenwart wieder wahrzunehmen, müssen wir sie beerdigen“

Transkript anzeigen

00:00:07:

00:00:13: Herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Gezwitscher, dem Podcast der Montforter Zwischentöne.

00:00:18: Mein heutiger Gast ist Jan Söffner.

00:00:20: Er ist Literatur- und Kulturwissenschaftler und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage wie wir unsere Welt, unsere Zeit und uns selbst verstehen.

00:00:28: Bei den Montforters Zwischenthönen hält er beim diesjährigen Begräbnis eine ganz besondere Rede – eine Totenrede auf das jetzt!

00:00:35: Denn Jan Söfner fragt sich, ob unsere Gegenwart überhaupt noch eine Gegenwart hat.

00:00:38: Zwischen Zukunftsangst, Vergangenheit, Digitalisierung, KI und dem ständigen Drang alles zu optimieren.

00:00:45: Wir wollen wissen was passiert mit uns wenn wir das jetzt verlieren?

00:00:49: Und kann man es vielleicht sogar wieder finden?

00:00:51: Lieber Jan, herzlich willkommen und schön dass du da bist!

00:00:54: Danke dass ich hier sein darf.

00:00:57: Ich wollte zu Anfang gern mal wissen, gibt es für dich einen Moment am Tag an dem du bewusst versuchst nichts zu planen?

00:01:04: Nichts zu optimieren und einfach im Jetzt zu sein.

00:01:08: Leider nein, aber ich glaube das wäre mal eine gute Idee.

00:01:14: Es geht uns allen glaub' ich so.

00:01:15: ne?

00:01:15: Das ist einfach... Morgens schon macht man das Telefon an oder irgendwie schaut was gibt's für neue Nachrichten?

00:01:20: und so ist man in der Zukunft oder Vergangenheit

00:01:25: ein bisschen.

00:01:26: wenn nicht einschlafen kann dann ist es vielleicht ein bisschen so

00:01:31: Jan du hältst dieses Jahr die Totenräte auf dass jetzt Was genau ist da eigentlich gestorben?

00:01:40: Was, ja die Frage ist bei so einer Totenrede natürlich erst mal was man würdigt auch.

00:01:47: Denn ich würde natürlich nicht sagen dass es das jetzt überhaupt nicht mehr gibt.

00:01:51: Die Frage ist für mich eigentlich eher diejenige welche Form der Zeitlichkeit wir gerade eingenommen haben und welche Rolle das jetzt da drin spielt also In welcher Form wir überhaupt das jetzt wahrnehmen und dass es fast schon ein Paradox in die Wahrnehmung ist, gerade das was ich mehr oder weniger auch das jetzt nennen würde.

00:02:18: Also ich hatte mir jetzt auf dem Weg hier hin nochmal einen bisschen anderen Gedanken gefasst der das vielleicht besser auf den Punkt bringt weil ich glaube eigentlich dass wir gar nicht unbedingt im Dass das jetzt etwas sehr Besonderes ist, auch wenn es uns so selbstverständlich ist.

00:02:38: Auch wenn wir es jeden Tag erleben und ständig erleben.

00:02:41: Aber es ist insofern etwas ganz besonderes als immer in der Vergangenheit leben.

00:02:48: Wir sind von der Vergange geprägt und zwar nicht nur im Sinne der Erinnerung sondern auch im Sinne des Tonfalls, den ich gerade einnehme.

00:02:58: Wie oft habe ich schon einen Tonfall gehabt?

00:03:00: Von wem hab' ich denn?

00:03:01: Ich spreche nicht nur die Wörter der Toten, sondern auch den Tonfall der Totenden, denen ich von Ihnen gelernt habe.

00:03:07: Manche von diesem toten Leben natürlich noch.

00:03:10: Aber es zieht sich zurück über Tausende von Jahren wo wir eine Vergangenheit haben, die wir ständig vergegenwärtigen auf eine Weise, die uns gar nicht auffällt.

00:03:22: Insofern leben wir eigentlich immer in der Vergangenkeit.

00:03:25: Gleichzeitig leben wir auch immer in Zukunft.

00:03:29: Da ist die Evolutionsforschung Auch die Neurowissenschaften.

00:03:36: Mit mir, also ich auch davon überzeugt dass wir eigentlich ja Voraussage Tiere sind denn die Evolution richtet Tiere darauf aus das sie auf Ereignisse reagieren können und immer in dem Leben was als nächstes passiert und nicht in dem was gerade jetzt lebt.

00:03:53: Wie kommt es dazu, dass wir überhaupt eine Gegenwand haben?

00:03:58: Wenn man so denkt, dann wird die auf einmal sehr gebrechlich.

00:04:00: Weil man fragt sich wo ist sie denn überhaupt?

00:04:04: Und ich habe ein bisschen den Eindruck das man sagen könnte, die taucht eigentlich nur auf aus dieser ständigen Vergangenheit und der ständige Zukunft Die ist nicht irgendwie dieser große Moment auf der Zeitachse, der immer durchläuft und die ganze Zeitachset rum verschwindet.

00:04:21: eigentlich weil es nicht mehr nur diesen Moment gibt.

00:04:24: ganz im Gegenteil habe ich eigentlich eher den Eindruck Lass mal die Achse beiseite.

00:04:28: Wir sind in einem großen See der Vergangenheit und einem großen see der zukunft Und ab und zu taucht daraus etwas auf, von dem wir wirklich sagen würden dass das jetzt gegenwärtig ist.

00:04:43: Du hast für das Magazin das darf ich verraten haben wir schon vorher ein interview geführt.

00:04:49: Da hast du auch von krisen gesprochen.

00:04:52: Ich würde jetzt gar nicht mal nur auf Priesen beziehen, aber würde gerne da noch mal so reingehen.

00:04:55: Weil du sagst, dann manchmal tauchen diese Momente in diesem See auf die wirklich sich nach jetzt anfühlen.

00:05:03: So würde ich jetzt mal übersetzen wenn ich dich richtig verstanden habe.

00:05:06: Würdest du sagen dass tatsächlich eben in solchen Momenten, die wir eben nicht planen können oder die wir nicht vorher sehen können wie morgen wird das Wetter schön oder schlecht sondern... Keine Ahnung, wir sind im September gerade war der Jahrestag zum elften September mal wieder.

00:05:19: So etwas was völlig unvorhersehbar ist oder auch was Schönes wie der Fall der Mauer dass das so richtig jetzt ist dann?

00:05:28: Ich glaube das ist auf jeden fall ein Moment der danach schreit, dass wir ihn vergegenwärtigen, dass werden wirklich als Gegenwart sehen und vielleicht kann man den Gedanken sogar technisch technologisch sich überlegen.

00:05:43: Denn gerade dieses Voraussagen, dieses Ständige in der Zukunft leben das ich gerade an der Evolution festgemacht habe – das ist ja auch in der künstlichen Intelligenz zu einem Paradigma geworden.

00:06:01: Dass wir ständig statistische Vorausagen treffen und diese Vorauszagen sozusagen dann als dann das Generative der Künstliche Intelligenze verstehen.

00:06:13: Das heißt, wir sind auch da eigentlich immer bei dem nächsten Wort das wir bilden.

00:06:18: Genauso wie wenn wir selber sprechen auch sind so sind die Maschinen im Prinzip auch.

00:06:24: Wir sind immer in die Zukunft gerichtet und die Maschen sind es auch.

00:06:28: Und sie sind dabei sehr optimiert.

00:06:31: was so viel heisst wie Sie sind angepasst an Wahrscheinlichkeiten an Wahrscheinlichkeiten auch des Erfolgs, nicht nur Wahrscheinlichkeit dessen was jetzt sozusagen das Wort wäre was am häufigsten jetzt käme sondern auch das Wort dass jetzt am erfolgreichsten wäre.

00:06:50: Das sind sehr komplexe Wahrscheinlichkeitsberechnungen die relativ wenig damit zu tun haben wenn wir versuchen die Wahrscheinlichheit eines Würfelwurfes auszurechnen und diese Optimierung die wir auch in der Evolution auf eine ganz andere Weise dann selbst wieder haben.

00:07:07: Wir bilden Routinen, merken auch was klappt, entwickeln einen Gespür dafür.

00:07:14: Diese Optimierung ist eigentlich immer in die Zukunft gerichtet und lässt die Gegenwart gar nicht zu.

00:07:20: Krisen sind aber der Moment, in dem genau das scheitert.

00:07:25: Und dadurch taucht auf einmal etwas auf, was wir sonst nicht sehen.

00:07:29: Es taucht... es drängt sich auf!

00:07:31: Also wir versuchen es geradezu, es nicht zu sehen Und es ist aber genau das, was... Reinhard Koselek hat das so schön formuliert.

00:07:40: Weil das Wort Krinen im griechischen sowohl unterscheiden als auch entscheiden heißen kann.

00:07:48: Der Zeitpunkt ist an dem eine Entscheidung fällig, aber noch nicht gefallen ist.

00:07:55: Etwas, dass den Unterschied macht zu wirkliches Formulieren ... Aber es ist noch nicht verwirklicht.

00:08:04: Das heißt, in diesem Ständigen noch nicht was unsere Voraussagen durchbricht und wenn wir damit auch Vorausragungen und Optimierung antworten dann werden wir der Krise nicht gerecht.

00:08:17: Die Krise... ich mag dieses Gerede von Krise und Chance nicht.

00:08:20: die meisten Krisen sind keine Chance sie sind einfach nur eine Krise.

00:08:23: da geht meistens eher etwas kaputt und nichts Neues entsteht.

00:08:26: aber wenn man ne Chance der Krise sehen will, dann ist es nicht das was man als nächstes macht sondern es ist genau dass man eine Chance hat etwas zu sehen was man sonst nicht sehen kann.

00:08:37: Aber nur dann wenn man die Krise eben auch als Krise wahrnimmt und nicht als Chance weg.

00:08:43: Ja quasi aushält.

00:08:45: Ja man muss jetzt sozusagen in diesem Nicht-Gefallen sein der Entscheidung in dem Ereignis des dass den Unterschied machen wird, in dem muss sie auftauchen können.

00:09:00: Wann hattest du deinen letzten so richtigen jetzt Moment?

00:09:04: Wenn ich das so fragen darf fällt dir was ein.

00:09:09: Vielleicht habe ich diese Momente dann doch häufiger, als es sich gerade eingangs angehört hat.

00:09:14: Das hatte allerdings jetzt mit Krisen an der Stelle weniger zu tun.

00:09:18: also Krisen hab' ich viele.

00:09:20: da ist auch immer jetzt Moment drin aber das vielleicht ein anderer Jetztmoment als derjenige wo ich denn wirklich denke so jetzt ist die Zeit da.

00:09:28: solche Momente habe ich genau in den momenten wo ich eigentlich grade nicht an die Lösung von Problemen denke oder nicht daran denke, was jetzt alles passieren könnte.

00:09:42: Sondern völlig konzentriert bin.

00:09:44: also was ich sehr gerne mache ist Rudern und in diesem Sommer habe ich den Einer wieder entdeckt.

00:09:52: eigentlich bin ich Mannschaftsruderer und eigentlich mag auch das Riemrudern also dass wo jeder auf einer Seite sitzt am liebsten.

00:09:59: aber diesen Sommer bin ich viel einer.

00:10:01: gefahren ist man mit sich selber allein und die Bewegung ist relativ kompliziert.

00:10:08: Das Boot ist sehr dünn, das Gleichgewicht ist schwer zu halten...

00:10:11: Und der Boden sei auch manchmal türkisch?

00:10:13: Der Boden sei ja auch manchmal tückisch aber am schönsten ist es wenn er glatt ist.

00:10:18: dann kann man hinbekommen dass der Schlag so funktioniert dass er richtig läuft.

00:10:23: Das ist auch eine Form der Optimierung.

00:10:25: dann, allerdings diesmal eine andere Optimierung.

00:10:27: Es ist nicht die Optimierung im Sinne von ich passe mich funktional an irgendwas an, sondern es ist die Optimisierung.

00:10:34: Ich mache das jetzt hier perfekt und in dem Moment wenn das gelingt, hat man dieses Gefühl zu fliegen.

00:10:44: Das hat was mit diesem Flow zu tun den Chick-Chent Michali beschrieben hat.

00:10:50: Bei mir ist bestimmt kein richtiger Flow, aber es nähert sich dieser Situation an.

00:10:55: Kann man sich richtig gut vorstellen wie du das gerade beschrieben hast?

00:10:58: Ja!

00:10:59: Man fliegt für eine kurze Zeit und es tatsächlich so ein bisschen so dass man in der Zeit so ein bissel die Zeit vergisst also nicht ganz so wie im richtigen Flow wo man dann hinter aufwacht und denkt was ist mir gerade geschehen... Aber es ist tatsächlich so dass ich irgendwie den Eindruck habe währenddessen Weiß ich immer noch, hat das ewig gedauert.

00:11:19: Aber wenn es vorbei ist, fühlt sich's an als seins gerade fünf Minuten.

00:11:24: Zurück nochmal zu einem deiner... Ich mag das Wort eigentlich grad nicht aber mir fällt kein anderes ein.

00:11:30: Steckenpferde!

00:11:31: Du hast schon gesagt du beschäftigst dich auch viel mit KI.

00:11:35: Gibt es Momente in denen du selbst merkst diese Technologie verändert grade mein eigenes Verhältnis zur Gegenwart?

00:11:43: Absolut ja absolut.

00:11:46: Erst einmal zu der Gegenwart, die ja nicht nur eine Gegenwart meiner selbst ist.

00:11:52: Das hört sich jetzt bei dem Rudern gerade so an.

00:11:54: So ein Gegenwart ist eigentlich auch immer die Gegenwart von anderen und in der Gegenart von anderen haben wir jetzt einen Medium gefunden das im Prinzip kein Medium mehr ist.

00:12:07: Die anderen Medien wurden immer transparent auf die andere Person und es war immer schwierig diese Transparenz wirklich herzustellen.

00:12:17: Komischerweise, gerade bei den Medien die sie am meisten herstellten, nehmen wir einen Videokonferenz.

00:12:23: Da waren die Leute irgendwie am wenigsten gegenwärtig.

00:12:27: Bei den Medien, die eigentlich am wenigstens immersiv sind wie die Schrift.

00:12:37: also wie präsent kann eine Dichterin und ein Dichter in einem Gedicht sein?

00:12:42: Also, man sollte als Literaturwissenschaftler nicht nach dem Autor lesen.

00:12:46: Aber ich tue es einfach immer trotzdem und diese Leute sind da, die fühlt man, die sind wirklich präsent in dem Moment, wenn man ein Text anfängt, wirklich nachzuvollziehen so dass man ihn spürt.

00:12:59: Und man muss ja selber auch so präsend sein um ihn zu verstehen

00:13:02: oder?

00:13:02: Ja!

00:13:05: Man muss sich selber zurücknehmen, um Raum zu geben dieser anderen Person da sein.

00:13:13: Und jetzt haben wir KI, die alles tut um sich als Person präsent zu machen?

00:13:20: Da ist aber keine und in dem Moment wird es tatsächlich mal eine etwas schwierigere Situation.

00:13:29: ich hatte mir sagen lassen leider habe ich das den Aufsatz nicht gelesen Aber es scheint so zu sein dass man Versuche gemacht hat mit Menschen, die einfach einen einzelnen Punkt auf einem Computerbildschirm bewegen sollten.

00:13:50: Und sie bekamen nicht gesagt ob der andere Punkt, der auf diesem Bildschirm war von einem Menschen betrieben wurde oder nicht und Sie haben es offenbar mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit oder ziemlich großer Treffsicherheit herausgefunden, wann dieser andere blöde Punkt... Es ging nur einmal an den blöden Punkt anderen Menschen bewegt wurde und wann der sozusagen von einem Computer bewegt.

00:14:12: Ist ja irgendwie auch beruhigend?

00:14:13: Es

00:14:13: ist beruhigen, ich frage mich bloß ob das jetzt noch funktionieren würde wenn wir auf der anderen Seite jetzt Chatbots haben bei denen nicht selber wenn ich mit denen zusammen arbeite also mir irgendwas von den in irgendetwas einführen lasse, wenn ich irgendeinen Begriff nicht kenne.

00:14:34: Claude erklär mir mal bitte das und sag mir was sind die Texte, die es dazu gibt?

00:14:40: Und wenn man dann im Gespräch reinkommt habe ich nicht mehr den Eindruck mit keiner Person zu sprechen.

00:14:48: Das macht sozusagen die Gegenwart der anderen umgekehrt auch weniger selbstverständlich.

00:14:59: Weil je mehr man sich dann wieder daran gewöhnt, dass da... Dass man mit anderen zusammenwindet die es überhaupt nicht gibt, desto unsicherer wird man noch mit denen, die es gibt.

00:15:11: und was die Gegenwart der Kommunikation angeht sehe ich darin fast das größere Risiko.

00:15:17: also natürlich sehe ich auch ein Risiko da drin, dass wir von diesen KI's verführt werden.

00:15:21: aber ich glaube sie verführen uns vor allen Dingen dazu die anderen Menschen nicht mehr als menschen wahrzunehmen Ja.

00:15:28: Und... Das

00:15:28: ist ein guter Punkt!

00:15:29: Die Gegenwart der anderen Menschen, als es euch hier gegenwarten nicht mehr zu spülen?

00:15:34: Wenn wir dann nämlich einmal gewöhnt sind uns irgendwie auch Menschen gegenüber so zu verhalten wie bei uns im Chat-Bottgegenüber Verhalten mit dem war natürlich auch ein bisschen rupiger umgehen können, der verzeihte einem ja alles.

00:15:45: Dann haben wir ein Problem gekrächt das wir vorhin nicht hatten.

00:15:49: Ich muss gerade daran denken.

00:15:50: ich weiß leider den Namen nicht mehr aber du wirst es wahrscheinlich wissen.

00:15:54: Es ist ein paar Jahre her, dass hier am Bodensee an der Zeppelin-Universität dein guter Freund Zepp Gumprecht war.

00:16:01: Mit einem jungen Mann aus dem Silicon Valley und dessen Namen erinnere ich jetzt gerade nicht mehr.

00:16:06: Ich saß damals sehr, sehr elegant natürlich!

00:16:12: Und ich saß da mal auch im Publikum und ich erinner mich an einen Moment, erschwärmte wie von KI und so zu den ihr ja forscht und arbeitet wo jemand aus dem Publikum fragte, aber was ist denn wenn die KI uns irgendwann alle auslöscht?

00:16:26: Und er antwortete, wenn ich mich richtig erinnere dass das aber für ihn so quasi fast das höchste der Gefühle wäre oder zumindest nicht schlimm.

00:16:35: Er wär wie auf sein eigenes Kind wahnsinnig stolz, wenn die uns quasi überlistet.

00:16:41: Du lachst jetzt Musik!

00:16:43: Sind das Momente also... Ich weiß noch, dass wir da damals im Publikums saßen und uns alle angeguckt haben.

00:16:50: Hat das auch Angst gemacht irgendwie?

00:16:52: Einer meiner Nachbarn wurde richtig bisschen aggressiv, sag ich mal.

00:16:58: Macht dir sowas Angst wenn du sowas hörst?

00:17:02: Also damals hat es mir weniger Angst gemacht zumal ich erstens Sam kenne.

00:17:08: außerdem war er damals glaube ich neunzehn oder so.

00:17:10: Wahnsinnig

00:17:10: gut!

00:17:14: Ich weiß auch, dass er es so auf jeden Fall nicht mehr sehen würde.

00:17:21: Er hat seine KI für Veterinärmedizin entwickelt.

00:17:30: Der Umgang mit Tieren und Menschen ist ihm unglaublich wichtig.

00:17:43: die Geschichte eben so etwas zu schaffen, so etwas schaffen zu können.

00:17:49: Das ist etwas was wahrscheinlich mir relativ fremd ist.

00:17:55: Aber man kann sich ein bisschen reinversetzen, wenn man mal an irgendetwas sitzt und das gelingt.

00:18:00: Und das überschreitet all das was man jemals gedacht hätte, was gelingen könnte.

00:18:06: Ein Werk kommt dabei hinterher raus.

00:18:09: Ein Werk dass wirklich einen überdauert.

00:18:12: Das wäre ja sozusagen gerade der Punkt gewesen wie beim Komponisten und ich glaube dieselmen Moment Wenn man den eben als Wissenschaftler hat bringt das einen dazu Atombomben und so eine Form der KI zu entwickeln, weil man ... Weil ein dieser Moment so sehr reizt.

00:18:33: Weil er einem so wichtig ist.

00:18:36: das bloße langweilige Dasein überschreitet.

00:18:40: Das hat was mit Nietzsche's Übermenschen zu tun, man kann sich selber hinter sich lassen.

00:18:45: in diesem Werk.

00:18:47: also ich versuche jetzt sozusagen deshalb auch mich selber in diese Begeisterung so reinzusteigern um nicht nur um Sermann der Stelle zu retten sondern eben das Risiko auf der anderen Seite darzustellen, weil ich hoffe dass sich auch vielleicht andere Leute da reinsteigere.

00:19:02: Weil es ist halt nämlich das Problem dabei wenn man auf der einen Seite solche so ein Werk schaffen kann und den Reiz des Werkes kennt und auch weiß wie wichtig das ist für Menschen, dass sie sich selber hinter sich lassen können, dass ihnen so etwas wie eine Transzendenz gehen können.

00:19:22: Dass das ihrem Leben Sinn gibt einem Sinn den Sie sonst nicht haben wo sie sonst vielleicht in dem Nihilismus an der Langeweile untergehen würden.

00:19:31: Dass aber Dichs-Areiz halt gleichzeitig auch ein unglaublich gefährlicher sein kann, je mächtiger diese Menschen werden die ihn verspüren.

00:19:41: Das hat aber auch was mit Gegenwart zu tun.

00:19:43: Ich wollte grad sagen es ist ja auch ein starker Wort weil man jetzt Moment

00:19:47: oder?

00:19:48: Es ist ein ganz starker Jetztmoment denn in dem Moment wenn man aus diesem Geschehen wieder auftaucht also Wir leben in der Zeit der Christopher Nolan-Filme, wo sozusagen die ODC den... Die Nachfolge des Oppenheimer Films angetreten hat.

00:20:10: Schon beim Oppenheimer Film kündigte sich ja an was mit jemandem passiert, der diesen Moment mit der Atombombe gehabt hat und das wird nochmal eigentlich so würde ich auf jeden Fall diesen zweiten Film lesen in der UDC noch mal breiter diskutiert, weil im Prinzip – und das ist jetzt sozusagen dieser Rückkehr aus der Gegenwart, indem man das Trojanische Pferd gebaut hat.

00:20:39: In die Zeit wo einen dann auf einmal die Vergangenheit überholt und wo ein die Schuld überhohlt.

00:20:47: Dass das ein ganz wichtiger Moment ist, denn eine ganz andere Form der Gegenwahrt herstellt die nicht nur im Jetzt steckt.

00:20:58: Also vielleicht ist es manchmal auch ganz gut, die Gegenwart zu Grabe zu tragen fällt mir dabei der Geschichte ein.

00:21:04: Vielleicht sollte das in der Grabe wieder

00:21:06: aufhoben?

00:21:07: Dass wir nicht so sehr Gott spielen sozusagen.

00:21:10: Ja

00:21:10: genau und dass wir nicht irgendwie uns von... also ich hab große Hochachtung vom Senbudismus aber dass wir uns nicht der Kitschform des Sens zu sehr verschreiben weil man dann nämlich in so ein Jetzt-Gerät das keine Verantwortung mehr übernehmen kann.

00:21:31: Du hast eben auch Langeweile angesprochen, also der man dann vielleicht mit sowas natürlich sowieso total entflieht.

00:21:38: Gab es einen Moment für dich zuletzt, an dem du sich richtig gelangweilt hast?

00:21:43: Ja klar!

00:21:44: Natürlich glaube ich diese Momente gibt es ständig und ich meine an dieser Stelle kann man an Martin Heidegger erinnern aus der Langeweile heraus eigentlich den Humanismus, also nämlich die Existenz als das Rausstehen definiert.

00:22:04: Das heißt in dem Moment wenn alles um einen herum nur brachliegende Möglichkeiten sind auf die man noch nicht mal die Lust hat sie zu ergreifen In diesem moment erscheinen die Möglichkeiten als Möglichkeiten und nicht als etwas was einem sofort reinzieht Und nur wenn die Möglichkeit als Möglichkeiten erscheint steht man außer ihnen.

00:22:26: Und gerade dadurch, dass man außer Ihnen steht wird man zu einem Menschen nach Heidegas Definition und lässt das Tierische des Menschseins nämlich dieses eingebundenen Sein hinter sich.

00:22:39: Ich

00:22:39: bin mir nicht so sicher ob es nicht auch andere Möglichkeiten gibt mensch zu sein.

00:22:43: und ich glaube auch da es durchaus anderen Möglichkeiten gibt draußen zu stehen und zu reflektieren und dass die lange Weile einen auch sehr langweilen kann, dass

00:22:55: es auch

00:22:56: weniger langweilige Formen gibt.

00:22:58: Aber auf der anderen Seite kann man die Langeweile und den Druck, den sie auf einem ausübt, durchaus schätzen.

00:23:06: Sie hat auch etwas...

00:23:08: Und sie holt einen ja auch irgendwie ins Jetzt, oder?

00:23:10: Also das habe ich so im Vorhinein drüber nachgedacht.

00:23:12: Weil man ja auch oft... Ich beschäftige mich gerade Naturgemäß als Mutter eines kleinen Sohnes viel mit kleinen Kindern und wie wichtig ist es, dass die sich langweilen um kreativ zu werden und so.

00:23:23: Das ist ja... Ich finde, dass es heute zutage manchmal gar nicht mehr so einfach wird, sich zu langweiln.

00:23:29: Aber umgekehrt kann man sagen kleine Kinder helfen dabei!

00:23:32: Ja absolut!

00:23:34: Wenn ich zum dreißigsten Mal das gleiche Buch vorlesen, dann kommt

00:23:36: eine gewisse

00:23:38: Routine und Langeweiler.

00:23:39: Oder man sitzt beim Spielplatz daneben und der Sand wird das dreißzigste mal in derselbe Farbchen gebürt und wieder ausgeschüttet.

00:23:46: Und dann das ganze nochmal links!

00:23:48: Und jetzt nochmal rechts!

00:23:52: Ja richtig!

00:23:53: Das ist aber ne schöne Form der Langeweile auf jeden Fall.

00:23:56: Aber auch jedenfalls hat diese Langewälder wohl einen auch uns jetzt.

00:24:00: Also es sind diese zwei Möglichkeiten... Das eine ist der Flow und das andere ist die lange Weile, in denen das jetzt wirklich dominant

00:24:10: hört.

00:24:12: Leben wir heute eigentlich noch in derselben Gegenwart?

00:24:16: Also wie Menschen untereinander sozusagen oder hat inzwischen jeder seine eigene?

00:24:20: auch darauf sind wir beim letzten Interview so ein bisschen eingegangen.

00:24:24: Darauf will ich anspielen.

00:24:28: Ja also... Es ist wirklich eine spannende Frage, die man von vielen Seiten angehen kann.

00:24:40: Ich glaube durchaus medial dass uns eine gemeinsame Gegenwart immer mehr verloren geht je mehr unsere Geräte personalisiert werden Je mehr wir deshalb jeweils mit der uns eigenen Information und dem uns eigenen Newsfeed usw.

00:24:59: da sind, nicht mehr sozusagen mit der Familie gleichzeitig die Tagesschau genau um acht angucken.

00:25:10: Ich glaube auf einer anderen sehr banalen Weise hat natürlich sowieso immer jeder allerdings auch seine eigene Gegenwart weil er hier sein eigenes Bewusstsein hat.

00:25:19: ich glaube sogar dass wer eher eine eigene Gegenwart jeweils haben, als wir eine eigene Meinung wirklich haben.

00:25:29: Wir denken immer, wir hätten eine eigene Meinung oder irgendwie sowas und wir merken dann eigentlich.

00:25:33: diese Meinung ist ziemlich ideerische also irgendwie... readymade zusammengesetzt aus Meinungen anderer und ist gerade dadurch besonders kommunikativ.

00:25:44: Und wir meinen auch, wir hätten, wir seien so unglaublich kreativ dabei und sind es eigentlich meistens relativ überhaupt nicht.

00:25:50: Es ist auch nicht so dass jeder immer alles anders sieht.

00:25:54: dafür haben wir durchaus genügend kulturelle Methoden entwickelt das wir eben doch nicht alles anders sehen sonst könnten gar nicht mehr miteinander reden.

00:26:06: Aber eine eigene Gegenwart haben wir, glaube ich schon.

00:26:10: Da ist eher der Sonderfall, dass das verschmilzt und da glaube ich, dass man dafür wirklich Events braucht.

00:26:20: Und ich glaube auch teilweise, dass Events dafür da sind, dass mal eine Gegenwart mit anderen zusammen wirklich als solche erleben kann.

00:26:29: Viele andere Rituale ... an Festtagen haben, machen das auch.

00:26:35: Aber ich glaube nirgendwo... Also wenn man zusammen Urternebaum singt und dann in sich gemeinsam in so eine Weihnachtsgegenwart einstimmt

00:26:42: usw.,

00:26:43: versucht man das auch herzustellen.

00:26:45: Gelingt aber immer nur mäßig!

00:26:46: Wenn man sich überlegt was für Gespräche dann häufig nach dem Singen stattfindet, merkt man okay nee, dass hat nicht so gut funktioniert.

00:26:59: In dem Moment, wenn man in einem Konzert ist und dieses Konzern wirklich gut ist und die Leute wirklich zuhören oder in dem Moment wo man im Fußballstadion ist.

00:27:10: Da gibt es eine wirklich gemeinsame Gegenwart, die man als solche spüren kann.

00:27:15: Also im Großen und Ganzen Kultur und Sport gehört ja irgendwie auch dazu Ist schon etwas was uns sehr in die Gegenwart holt würdest du sagen?

00:27:22: Ja

00:27:24: absolut.

00:27:25: Und ich meine, vielleicht kann man eben gerade wenn das den Tod der Gegenwart angeht auch sagen.

00:27:31: Vielleicht merkt man gerade daran dass komischerweise diese Sachen nicht gestorben sind wie wichtig die Gegenwart nach wie vor ist aber wie rausig geworden

00:27:47: ist.

00:27:48: also wenn die Leute ein derartiges Bedürfnis haben ins Fußballstadion zu gehen oder ein Konzert, das meistens man auf dem Kopfhörer in viel besserer Klangqualität hören könnte.

00:28:03: Live mit anderen zu erleben.

00:28:07: Wenn dieses Bedürfnis so stark ist dass es die technischen Möglichkeiten das Ganze zu übertragen oder zu speichern oder abzurufen so sehr überflügelt dass sie Leute das unbedingt haben wollen und dafür unglaublich Geld ausgeben sagenhaft Zeit investieren, dann muss man ja sagen die haben einen Bedürfnis nach dieser Form der Gegenwart das sonst einfach nicht bedient wird.

00:28:34: Ein starkes Bedürfen ist

00:28:36: und das kann wahrscheinlich auch.

00:28:37: du hast jetzt Soundqualität angesprochen eben alles was ich mir auf den gängigen Plattformen so eben mal auf die Kopfhörer holen kann kann dann trotzdem nicht mithalten.

00:28:47: Da kann wahrscheinlich auch, ist jetzt sehr verkürzt ausgedrückt.

00:28:50: Man kann vermutlich eine ganze Doktorarbeit überschreiben aber da kann die KI vermutlich zumindest dann heute auch nicht mithalten oder?

00:28:58: ich denke jetzt gerade an diese ABBA-Konzerte.

00:29:00: das war das letztes Jahr oder wahrscheinlich ein paar Jahre länger her wo die ABBA Band wieder projiziert wurde auf ne Bühne.

00:29:08: Aber ich frage mich ob das wirklich ... Ich hab keine Erfahrungsberichte gelesen und habe es mir auch nicht angeschaut dass die gleiche Erfahrung gewesen sein kann, wenn wir selber auf der Bühne gestanden hätten oder Elton John oder wer auch immer.

00:29:25: Ja das ist eine sehr gute Frage.

00:29:28: ich war auch nicht da und kann mir durchaus vorstellen, dass es etwas Neues aber ist aber nicht unbedingt etwas was diese Gegenwart über die wir gerade gesprochen haben wirklich zu Nichte machen würde.

00:29:43: Denn die Gegenwart, die man da feiert ist ja nicht unbedingt... Also im Fußballstudium feiert man ja nicht die Mannschaft, sondern die Fans feiern sich selber.

00:29:54: Man feiert dass man zusammen da ist und den Moment.

00:29:56: Und das würde ich bei so einem Konzert auch sehen.

00:30:02: Ich war neulich mit meinem Sohn das erste Mal für mich auf einem Hip-Hop-Konzert.

00:30:07: Das war für mich auch das erste mal seit Langem, dass sie überhaupt auf dem Konzern waren.

00:30:11: Und was ich da am beeindruckendsten war, war nicht die unglaubliche technische Anlage, die dann für den Main-Event aufgefahren wurde.

00:30:23: Den es früher so nie gegeben hätte, wo man dann irgendwie schon gedacht hatte, wow!

00:30:27: Man hätte schon irgendwas gesehen aber das ist heute schon etwas ganz anders.

00:30:32: Sondern gerade die Vorgruppen beim Hip Hop, die eben keine Gruppen sondern einzelne Hip Hoper waren, einzelne Rapper.

00:30:40: Und wenn man dann die Einsamkeit dieser Leute sieht, die stehen dann auf einer Bühne, die vielleicht zehn mal zehn Meter groß ist.

00:30:48: Vielleicht sogar kleiner und um sie rum sind es in Zehntausend Leuten.

00:30:52: Sie stehen alleine mit dem Mikro da.

00:30:54: Da ist kein Drama dahinten zu denen man sich mal umdrehen kann.

00:30:57: Da stehen nur auf der anderen Seite der Rest von den Zehnteausenden Leuten.

00:31:01: Und da dachte ich mir, okay das ist jetzt ein ganz anderes Erlebnis.

00:31:05: Eine ganz andere Gegenwart die hier aufgebaut war und trotzdem würde ich sagen es ist ein Kollektiverlebnis dieser Zehntausend, die aber eine ganz andere Form auf eine ganz anderen Form gefeiert wird.

00:31:18: also auch da geht man zusammen hin auch da gibt man unglaubliches Geld für aus um dann zusammen diese Gegenwart zu erleben.

00:31:27: Aber es ist nicht mehr die Gegenwart, die ich als ich zwanzig war dann irgendwie mit den Rockbands gesehen hatte.

00:31:36: Ja also da ist schon auch Bewegung drin

00:31:39: in diesem

00:31:39: Business.

00:31:41: Jetzt muss ich mal kurz meinen Faden wieder finden weil wir sind so abgetaucht.

00:31:48: Gehen wir nochmal eine persönlichere Frage weil wir dich ja auch ein bisschen vorstellen und besser kennenlernen wollen.

00:31:54: Gibt es einen Ort, an dem du dich besonders gegenwärtig fühlst?

00:32:00: Das ist vielleicht auch vorhin schon ein bisschen gesagt.

00:32:05: Ja natürlich!

00:32:05: Ich habe gesagt auf dem See, aber ich glaube durchaus irgendwie jede Stadt fühlt sich anders an, jeder Ort fühlt sie anders an und es gibt diejenigen... ja also ich würde eher sagen irgendwo anzukommen Da ist dann immer besonders viel Gegenwart, weil noch nicht so viele Ablenkungen da ist.

00:32:29: Selbst wenn es eigentlich, wenn man ankommt und nur damit beschäftigt ist jetzt irgendwie das Schild zu finden auf dem Taxi steht... selbst das ist irgendwie so dass man sich umguckt und sich besonders gegenwärtig fühlt auch wenn man dadurch eigentlich einen ganz anderen Zusammenhängen und auch in der Zukunft schon direkt eingebettet ist und wenn man dann tatsächlich irgendwie raustritt dann diese andere Luft schnuppert, das sind irgendwie die Momente.

00:32:57: Und wenn man dann merkt, wo man ist und wie sich dieses andere Gefühl des anderen Ortes einstellt, dann wird dieses andere Gefühle auch mal manifest, weil ansonsten ist es eher unterschwellig.

00:33:09: also ich würde durchaus sagen dass sich Zürich anders anfühlt als Stuttgart und Stuttgarth anders als Köln Und dass das auch was mit einem macht.

00:33:20: Man benimmt sich anders, man bewegt sich anders.

00:33:23: Man geht anders auf die Leute zu.

00:33:24: Das ist nicht nur weil ihnen vielleicht einen anderen Dialekt sprechen oder anders auf einen zugehen, sondern es ist auch das Grundgefühl, das einen schon dazu gebracht hat, auf eine andere Weise auf sich zuzugehen.

00:33:35: und dieses Gefühl ist aber meistens so unterschwellig, dass man's gar nicht mitkriegt außer in diesen Momenten, in den Schwellenmomenten wenn man da ankommt.

00:33:45: Deshalb ist es vielleicht eher Eine besondere Form der Zeitlichkeit ist Zeitorts, wo ich mich besonders gegenwärtig fühle.

00:33:54: Ja aber es ist verständlich ja.

00:33:55: Stimmt noch nie so drüber nachgedacht.

00:34:00: Was würdest du sagen kann oder vielleicht auch nicht?

00:34:03: Aber was könnte ein Begräbnis leisten das jetzt einen herkömmlichen philosophischer Vortrag nicht leisten kann?

00:34:11: dieses Setting?

00:34:12: Ja also die Trauer natürlich.

00:34:20: Auf der einen Seite ist diese Trauer in dem Spiel.

00:34:22: Wir wissen, dass wir nur bestimmte meinetwegen auch meintvollen Praktiken bedienen müssen damit es irgendwie die Gegenwart noch gibt.

00:34:34: und welche ist das dadurch ein Spiel so zu tun als wer sich tot?

00:34:41: Und daran steckt eine bestimmte Bewusstwerdung.

00:34:43: Aber die Trauer ist noch mal was anderes, denn die Traur macht einem klar, dass man alles an Gegenwart schon verloren hat.

00:34:54: Man sieht dann die Gegenwart aus der Linse der Vergangenheit.

00:34:58: Was waren die Momente der Gegenwart?

00:35:00: Was waren in denen man besonders gerne entgegenwärtig war?

00:35:03: und man sieht sie aus dem Blick dessen das sie nicht mehr da sind.

00:35:09: Und auch wenn das vielleicht nur ein Spiel ist, ist diese Trauer etwas was einen besonders berühren kann und dieser Gegenwart eine Dimension abgewinnt die sich viel wichtiger macht als wenn man einfach denkt jetzt muss ich ein bisschen meditieren.

00:35:31: Sollte ich das nicht sagen, ich selber meditiere gar... Na doch, ich meditiere ein bisschen.

00:35:36: Aber es ist irgendwie, also es stimmt, ich möchte niemandem zu nahe treten der oder die immeditieren ganz besondere Gegenwart verspürt, sondern Ich dachte eigentlich eher an diese Alltags-Praktik.

00:35:49: Mal durchatmen, mal so ein bisschen zur Ruhe kommen und so weiter und dafür meditieren.

00:35:54: Also das sollte es eben nicht nämlich sein, sondern ich glaube da ist dann eine Trauer tatsächlich irgendwie besser.

00:36:00: Und gleichzeitig ist natürlich auch die Komik dieser Trauer.

00:36:04: Weil sie

00:36:04: haben einen...

00:36:06: Es ist ja auch ein Mockbegräbnis und dadurch kann man halt eben auch vielleicht Ja, das Ganze eben auch als ein Spiel spielen und an der einen oder anderen Stelle vielleicht um mal lachen.

00:36:21: Bestimmt

00:36:22: auf jeden Fall!

00:36:25: Letzte Frage?

00:36:26: Weil wir leider schon so ein bisschen zum Ende kommen müssen aber es ist so ein spannendes Thema und du hast ja auch viel dazu zu sagen.

00:36:32: also... Die

00:36:34: Fragen sind noch nicht besser als die Antwort.

00:36:37: Absolut nicht, aber weil du gerade darauf anspietest dass man dann bei so einer Trauerräder auch grade eben in Bezug auf die Gegenwart nochmal sehr oft das Vergangene guckt und da quasi auch wieder die gegenwärtigen Momente rauszieht und wir haben vorhin über Kinder gesprochen und wie sehr die in der Gegenwart sind und auch mal in der Langeweile oder wieder in der lange Weile.

00:37:01: Ein sehr alter Mensch hat ja auch ganz viel Vergangenheit, auf die er draufgucken kann.

00:37:05: Ich habe mich gerade gefragt, könnte man sagen aus deiner Sicht das vor allem sehr kleine und junge Menschen und sehr alte Menschen?

00:37:13: Das mit der Gegenwart sehr gut verstehen und wir dazwischen nicht

00:37:19: so?

00:37:19: Auf jeden Fall würde ich sagen, dass Gegenwarts sehr viel mit dem Alter zu tun hat Und ich würde sagen, du hast sicherlich recht.

00:37:26: Aber ich glaube auch in einer sehr verschieden Weise.

00:37:29: Weil diese Gegenwart des vergangenen als vergangenem wo sozusagen vielleicht dieser Trauer mitschwingt.

00:37:35: Vielleicht aber auch eine Dankbarkeit dass es gewesen ist weil man das irgendwie zurückholen kann je älter man wird und wenn man gut alt wird ist man ja in der Lage nicht nur zu betrauern dass es vorbei ist sondern auch dankbar zu sein dass es das gegeben hat dass man es jetzt wieder aufrufen und wieder neu präsent machen kann.

00:37:59: Und dieses Erinnern hat ja auch noch eine andere Qualität, weil wesentlich besser als ich und die Neuerwissenschaftler auch.

00:38:09: Man erinnert sich ja gar nicht an das, was man damals erlebt hat sondern man erinnerte sich an das letzte Mal dass man sich daran erinnerede so dass es sich jedes mal wieder ein bisschen verschiebt.

00:38:19: Das heißt also man er innert sich immer an etwas was so nie gewesen ist.

00:38:23: und sehr häufig ist es eigentlich gerade bei den sentimentalen Erinnerungen wenn man nochmal irgendeine Möglichkeit hat das ganze zu objektivieren stellt man auf einmal fest dass die Situation selber so sentimental gar nicht war oder dass diese großartige Zeit, in der man sich so wohlgefühlt hat ständig eine Krise nach der anderen in sich nimmt hatte.

00:38:44: Aber dieses sentimentale Erinnern, das es doch so schön war, das hat auch einen Wert und nicht nur den Wert, dass wir uns irgendwie mit unseren Frieden mit unserer Vergangenheit haben sondern eben das wäre auch ne neue Gegenwertigkeit der Vergangenkeit aufbauen können.

00:38:59: Und da würde ich zum Beispiel sagen, das haben Kinder wahrscheinlich noch längst.

00:39:03: Kinder haben aber auf der anderen Seite eine Form der Unmittelbarkeit in ihrer Gegenwart, wo man sich auch denkt oh das hätte ich auch manchmal ganz gerne

00:39:15: wieder.

00:39:15: Diese unmittelbare Freude und die unmittelbare Wut.

00:39:18: Das Lebensalter macht die gesamte Erfahrung komplett anders und natürlich vor allen Dingen die Erfahrungen der Gegenwart

00:39:27: auch.

00:39:28: Na gut, und die Mitte ist schon auch notwendig um diese Erfahrung überhaupt zu sammeln.

00:39:34: Ja, die Mitte hat... Die Mitte ist eigentlich genau... Genau!

00:39:38: die Zeit, auf die die einen hinarbeiten und an die sich die anderen zurück erinnern.

00:39:43: Das heißt das ist schon die Höhepunktzeit würde ich durchaus sagen.

00:39:48: Es ist also so.

00:39:49: gerne ich mich darauf freuen würde dann jetzt irgendwie als richtig alter Mensch das alles nicht mehr zu können und mich stattdessen daran glücklich zu erinneren glaube ich dass ich nicht so glücklich sein werde!

00:40:01: Das Erinnerungen macht schon auch Spaß.

00:40:03: ja okay Wir kommen noch zu einer Abschlusskategorie, die ich hier immer am Podcast mache.

00:40:10: Hop oder Top heißt sie?

00:40:12: Ich sage dir zwei Begriffe entweder oder und du darfst ja einen davon aussuchen.

00:40:17: aber da wir hier bei den Zwischentönen sind, darfst du natürlich auch den im Übertragenden den Zwischenton wehen und was ganz anderes sagen.

00:40:24: Okay.

00:40:25: Genau also wir legen los!

00:40:26: Hop oder top.

00:40:34: Vergangenheit oder Zukunft?

00:40:40: Zukunft in der Gegenwart.

00:40:42: Sehr schön Planen oder treiben lassen

00:40:46: Treiben lassen.

00:40:48: Offline oder immer erreichbar?

00:40:54: Manchmal erreichba...

00:40:58: Erinnerung oder Augenblick?

00:41:05: Augenblick!

00:41:07: Und meine letzte Frage, die lehnt so ein bisschen daran an im Jetzt-Leben oder Wissen was als nächstes kommt?

00:41:15: Auf jeden Fall im jetzt Leben.

00:41:16: also zu wissen das wäre ja fürchterlich.

00:41:18: Sehe ich genauso bloß nicht In diesem Sinne, es hat mir total viel Spaß gemacht.

00:41:25: Vielen lieben Dank und an alle Zuhörerinnen und Zuhöhrer wir sehen dich wieder beim Begräbnis dieses Jahr im November!

00:41:35: Es wird natürlich bei Tickets geben – ich sage hier einfach auch nochmal die Adresse unter www.montfortazwischentoene.at.

00:41:43: Wer da nicht dabei sein kann, da haben wir natürlich sehr viel Mitleid, dass ihr nicht dabei seid.

00:41:49: Aber man wird es auch später noch im Internet nachschauen können und sich die Gegenwart quasi zurückholen können auf unserem YouTube-Kanal.

00:41:57: Jetzt aber vielen Dank!

00:41:58: Und bis spätestens November.

00:41:59: Ich habe zu danken und ich freue mich drauf.

00:42:09: Wir uns auch.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.