Peter Leipold: „Ich komponiere für die Geschichte.“

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00:00:07: Gezwitscher.

00:00:11: Herzlich willkommen bei Gezwitscher, der Podcast der Montforter Zwischentöne!

00:00:16: Manche erzählen Geschichten mit Worten.

00:00:18: Peter Leipold erzählt sie mit Musik.

00:00:20: Er ist Komponist war viele Jahre als Dirigentätik und widmet sich heute ganz dem Musiktheater.

00:00:25: Werke wie Mio mein Mio das kleine Gespenst oder die besseren Wälder zeigen Wie es ihm gelingt bekannte Geschichten und neue Stoffe in berührende musikalische Erzählungen zu verwandeln.

00:00:36: Peter und ich kennen uns tatsächlich schon sehr lange.

00:00:38: Wir haben zur selben Zeit an der Musikhochschule in Hannover studiert, waren gut befreundet.

00:00:42: Wie das Leben manchmal spielt, haben wir uns in den vergangenen Jahren aus den Augen verloren – umso schöner ist es, dass wir uns heute hier im Gezwitscher-Podcast wieder begegnen!

00:00:50: Und ich bin natürlich auch neugierig was dich lieber Peter aktuell antreibt oder auch wie aus einer Idee eine Oper entsteht.

00:00:56: Für die Herbstausgabe der MOTS sitzt du gerade am Werk HeyHeyHeyTaxi von Sascha Stanisic.

00:01:03: Auch darüber wollen wir heute natürlich sprechen….

00:01:05: Aber jetzt erst mal, lieber Peter.

00:01:06: Herzlich willkommen!

00:01:07: Ich freue mich sehr, dass du da bist.

00:01:10: Ja vielen Dank, die Freude ist ganz meinerseits.

00:01:12: Jetzt muss ich erstmal fragen, habe ich eigentlich gerade den Namen vom Autor Sascha Stanisic richtig ausgesprochen?

00:01:17: Weißt Du das?

00:01:19: Vollkommen fehlerfrei besser hätte es auch nicht gekonnt.

00:01:21: Bin

00:01:21: ich aber ruhig.

00:01:22: Peter, Du sagst wenn ich das richtig gelesen hab, dass Du Geschichten erzählen möchtest ohne Dich als Komponist zwischen Publikum und Geschichte zu stellen?

00:01:31: Kannst Du so ein bisschen sagen was Du damit genau meinst?

00:01:35: Ja, gerne.

00:01:36: Also grundsätzlich finde ich die Verbindung zwischen Wort und Musik, zwischen Erzählung und Musik wahnsinnig spannend natürlich in den Musiktheaterwerken aber auch in anderen Werken, Orchesterwerken, Kammermusik.

00:01:53: im November wird da eine Vertonung für ein Streichquartett von Nach einem Gedicht von Ingeborg Bachmann, in Wien Uhr aufgeführt.

00:02:01: Also ich finde diese Verbindung grundsätzlich sehr spannend und besten bietet sich natürlich die Vertunung von einem Buch an wie du hast es ja schon erwähnt Mio mein Mio war meine erste große Oper Und ich finde dass sich eben Wort- und Musik gegenseitig sehr bereichern können und sehr viel geben können.

00:02:26: da an diesem Satz gesagt hat, ich möchte mich als Komponist nicht dazwischen schieben sondern dass es mir wirklich um diese Geschichte geht und nichts darum zu zeigen was sich als Kmponist alles virtuoses komplexes komponieren kann.

00:02:41: Sondern in dem Fall geht das wirklich drum der Geschichte zu dienen und genauso hilft aber dieser Geschichte auch meiner Musik unglaublich.

00:02:52: also ich arbeite sehr gerne mit Wort.

00:02:57: Das heißt Gedicht, das heißt Erzählung und ein Orchesterwerk von mir als Zapfow da geht es um ein Gedicht der griechischen Antikendichterin Zapfwo.

00:03:08: also ich finde dass einfach sehr spannend und sehr beliebend

00:03:13: gerade Mio.

00:03:14: Mein Mio ist ja eigentlich auch in der Kinderliteratur für mich sehr großes Werk und wenn ich mich richtig erinnere warst du auch schon immer glaube ich ein großer Lindgren-Fan oder?

00:03:25: Ja, ich habe das wirklich große Glück und Geschenk mit diesen ganzen Büchern aufgewachsen durfte.

00:03:35: Die einfach ganz reichhaltig sind und tiefgründig und irgendwie einen auch das ganze Leben lang begleiten.

00:03:44: tatsächlich also ich kenne viele die heute noch ganz genau diese Geschichten kennen oder auch ihren Kindern dann wieder vorlesen.

00:03:54: Das finde ich ganz schön.

00:03:56: Macht es das dann leichter oder schwer, sich da die Musik dafür zu kreieren?

00:04:04: Wenn man das Werk so ja verehrt und schon solange kennt?

00:04:12: Ich glaube, dass kann ich jetzt nicht so beantworten.

00:04:15: Vielleicht macht es das eher leichter weil es schon sehr lange in einem lebt, in einem drin lebt.

00:04:21: Es ist aber nicht so, dass sich jede Geschichte eignet, vertont zu werden.

00:04:27: Manche Bücher erzählen sich viel besser durch die Sprache.

00:04:30: Also würde mir keine Musik fehlen.

00:04:32: aber so etwas für Mio man Mio und ich finde auch he-he-hey Taxi eignen sich ganz wunderbar um sie musikalisch zu bebildern um sie im Klang um ihren Klang zu geben um sie auch ein bisschen vielleicht zu erweitern mit der Musik.

00:04:52: Das ist die perfekte Überleitung zu meiner nächsten Frage.

00:04:55: Was musst denn eine Geschichte haben, damit du überhaupt das Bedürfnis verspürst, sie zu vertonen?

00:05:01: Dass es sicher bei jeder Komponistin und bei jedem Komponent anders... Für mich hilft das sehr wenn sie so in fremde Welten eintaucht Wenn sie so etwas Märchenhaftes bekommt Etwas Unwirkliches eine Welt, in der die Musik eindrägt.

00:05:23: Also ich glaube schon kann man es beschreiben.

00:05:30: Wo es noch eine Welt dahinter gibt, die die Musik erzählen kann?

00:05:34: Das passt ja zu hey-hey-hey Taxi.

00:05:36: Ich habe immer Angst ein Hey zu vergessen!

00:05:42: Das können wir ja unseren Zuhörerinnen mal kurz beschreiben.

00:05:45: Kurz umschrieben, bitte korrigieren mich wenn ich das jetzt zu sehr verkürze geht es auch hier um ein Taxi dass einen überall hinbringen kann an jeden Ort?

00:05:53: und gerade was du sagst ist die Fantasie die dich dann auch in der Musik oder mit der Musik da trägt.

00:06:00: Was macht diesen speziellen Stoff für dich reizvoll?

00:06:03: Und was macht die große Freiheit aber vielleicht auch Fantasievolle Geschichte mit sich bringt, auch nicht so leicht in Musik umzusetzen.

00:06:14: Also grundsätzlich wie du es schon beschrieben hast das Taxi ist wie eine Tür in ganz viele verschiedene bunte verrückte abenteuerliche Welten und deswegen hatte ich diesen Stoff der ihnen noch nicht zu den alten Klassikern der Kinderbuch-Literatur wie Lindgren oder Ende oder Breuzler oder Kästen gehört.

00:06:41: Deswegen hat ich den aber gleich gepackt oder der mich gleich geparkt, weil es war so ein Lieber auf den ersten Blick als das Buch in die Hände bekommen habe.

00:06:51: Eben weil es ganz im Sinne dieser Klassiker und dieser großen Kinderbuchartorinnen und Artoren einen Horizont erweitert Türen öffnet Und das finde ich ganz, ganz wichtig für junge Menschen.

00:07:12: Gerade Preußler wurde ja zum Beispiel oft gefragt warum er jetzt in dieser Zeit über Hexen und Wassermänner und kleine Gespenster schreibt?

00:07:22: Das sei wirklich nicht mehr modern.

00:07:24: und der hat dann geantwortet die Erwachsenen von morgen also unsere Kinder sind mit Problemen konfrontiert, die wir noch gar nicht kennen.

00:07:37: Die müssen Dinge lösen, die können wir uns auch gar nicht vorstellen und wenn sie keine Träume haben, keine Fantasie nicht über den Horizont sich etwas vorstellen können, können wir denen nichts an die Hand geben.

00:07:54: Es gibt viele Kinderbücher, die etwas erklären, die Dinge beschreiben... Aber was ich wirklich ganz wichtig finde ist, dass man die Chance oder die Möglichkeit bekommt noch viel weiterzudenken.

00:08:14: Den Horizont zu öffnen.

00:08:16: Zum Beispiel hat Preußler gesagt... Wenn die Menschen nicht davon geträumt hätten zu fliegen, hätten sie nie ein Flugzeug erfunden als ein einfaches Beispiel.

00:08:26: Ja

00:08:26: was für wahre Worte.

00:08:27: und gerade auch in Bezug auf die Zukunft.

00:08:30: und dass wir nicht wissen in welcher Zukunft unsere Kinder leben werden.

00:08:33: das ist ja glaube ich aktueller denn je in unseren Köpfen momentan

00:08:37: Genau

00:08:39: sehr aktuelle Worte obwohl Sie schon so alt sind.

00:08:44: Wer sind denn deine ersten Kritikerinnen?

00:08:48: wenn du was schreibst.

00:08:49: Du bist selber Vater, zwei Erkinder.

00:08:50: die sind jetzt noch sehr klein.

00:08:51: wir haben vorhin uns schon darüber unterhalten.

00:08:53: aber sind das die ersten die deine Musik hören?

00:08:58: Ja sicher ein bisschen genau die.

00:09:01: da sind noch sehr kleine kleine Öhrchen.

00:09:06: ich glaube für so kleine Ohren habe ich noch keine Musik geschrieben bis jetzt.

00:09:09: also ich kann sagen meine Kinder sind eins und drei.

00:09:13: Sie sind natürlich auch sehr angenehme Kritiker, weil sie erst mal alles ganz toll finden.

00:09:20: Solange es laut und schnell ist.

00:09:26: Bleiben wir aber bei den Kindern... Also gibt es aber andere erste Kritiker?

00:09:31: Das haben wir jetzt noch gar nicht zu Ende.

00:09:32: Deine Frau oder dann doch die Musikerinnen, die's umsetzen.

00:09:37: Wer ist der Erste oder die Erste, der deine Stücke hört nach dir?

00:09:44: Also wahrscheinlich sind es schon die Musikerinnen, die das als erstes dann aufführen und also meine Frau bekommt natürlich auch etwas davon mit am Anfang.

00:09:58: oder wenn man ja ich arbeite mit verschiedenen LibertistInnen zusammen.

00:10:03: Die erfahren natürlich auch als Erste wie es klingt und spreche ich mit denen auch darüber.

00:10:13: Festival oder Theaterintendanten hören das natürlich auch als erstes.

00:10:19: Aber richtige Kritiker, wo man da ein Feedback, ganz konkretes Feedback bekommt sind die Musiker, die das zum Leben erwecken.

00:10:27: Und wie geht es dir in solchen Momenten?

00:10:29: Ich denke jetzt gerade... ich habe vor ein paar Folgen mit Leoneming einem Brand Branding-Experten ein Interview geführt und hab mir eben auch darüber gesprochen, man hat ja dann das ist wie so'n Baby was man mitbringt irgendwie.

00:10:41: Man hat da lang dran gesessen und hat auch gewisse in Anführungszeichen Lieblinge.

00:10:46: in der Musik vielleicht bei den Journalisten heißt es immer Kill Your Darlings.

00:10:51: bei Texten wenn andere drüber lesen und das tut so weh!

00:10:55: Wie is's für dich?

00:10:56: Ich weiß nicht ob das so oft vorkommt aber wenn dann da Musiker und Musikerin vielleicht sagen ah nee also das geht hier grad gar nicht oder kommt das gar nicht vor.

00:11:06: Doch das kommt natürlich vor.

00:11:08: Also man schafft es nie jetzt, also gerade bei einer Oper oder einem Orchesterwerk muss schon ein alter Meister sein um das ganze Orchester glücklich zu machen und das ist auch in Ordnung.

00:11:24: aber ich hatte jetzt noch nie Schade eigentlich so einen riesigen Skandal.

00:11:30: Das hat noch

00:11:35: nicht wehgetan.

00:11:35: Zwischenfälle

00:11:36: wie Stravinsky oder Schirmherz hatte ich leider noch nie geschafft!

00:11:40: Ich arbeite dran, das ist die eigene Frage.

00:11:44: Bekomme ich ein wartschen Konzert?

00:11:46: Vielleicht vielleicht auch nicht.

00:11:47: wer weiß dass?

00:11:49: der große Skandal blieb noch aus.

00:11:53: Kommen wir noch einmal zurück zu Hey hey hey Taxi wenn ich das richtig gelesen habe sollen bei der Version die in Feldkirch aufgeführt wird die Kinder sehr stark involviert werden.

00:12:03: Macht es das als Komponist schwerer oder leichter?

00:12:12: Ja, es macht vielleicht die Aufgabe schwerer.

00:12:16: Ich habe mit Märkstgarn noch gar nicht so darüber nachgedacht weil man sich natürlich das einfach dann für die Kinder zugeschnitten ist dass sie das aufführen können.

00:12:30: aber das macht den Kompositionsprozess gar nichts.

00:12:34: so viel anders.

00:12:37: Also das einfach wie man für verschiedene Instrumente schreibt, ist jetzt eben das Instrument mit dieser Bandbreite oder mit diesen Registern.

00:12:47: Wie auch immer man es nennen will und da schreibe ich genauso wie wenn ich jetzt für eine Starkagerin schreiben würde oder weiß ich nicht so.

00:12:57: Ich fühle mich jedenfalls nicht eingeschränkt.

00:13:00: Schönes Bild mit dem Vergleich mit den Instrumenten.

00:13:04: Ja du, also vielleicht kannst du dich auch deshalb so gut oder bestimmt auch deshalbso gut reinversetzen in die verschiedenen Register- und Instrumentengruppen.

00:13:11: Weil Du ja viele Jahre vor allem Dirigent warst.

00:13:15: Was hat Dich denn dazu bewogen diesen Weg zu verlassen und ganz auf das Komponieren zu setzen?

00:13:21: Ja eigentlich war es ein zurück und gar nicht ein anderer Weg.

00:13:26: ich hatte als Jugendlicher eigentlich schon immer komponiert.

00:13:29: Seit ich Noten gelernt hatte, war es für mich ganz selbstverständlich an Hoten zu schreiben.

00:13:34: Weil so wie ich die Buchstaben ja auch zum Lesen und zum Schreiben benutzt habe.

00:13:40: Und dann hatten mich verschiedene Leute darauf aufmerksam gemacht dass das gar nicht so selbstverständliche ist.

00:13:45: und dann hatte ich Kompositionsunterricht und verschiedene Wettbewerber als Jugendlicher.

00:13:51: und dann aus verschiedenen Gründen stand eben die Entscheidung an dirigieren oder komponieren nach der Schule.

00:13:58: und dann habe ich mich erst mal fest dirigieren entschieden.

00:14:01: Und einige Jahre an verschiedenen Theatern als Kapelmeister gearbeitet, was sich tatsächlich oft als Glücksfall auch erweist.

00:14:11: ja das glaube ich schon einfach so viele Noten und Partituren die schon durch meine Hände Augen und Ohren gegangen sind dass es für mich sind das irgendwie gute Lehrer die ich da hatte.

00:14:28: Vermisst du das manchmal, dass die regieren?

00:14:30: Oh, Zungenbrecher.

00:14:38: Ja natürlich, also ich dirigiere immer noch sehr gern.

00:14:44: Manchmal ergibt es sich die Gelegenheit dann ein eigenes Stück oder in Europa zu dirigieren.

00:14:50: Das ist natürlich ein Glücksfall aber ich fühle mich sehr wohl jetzt bei den Komponierern.

00:15:01: Das ist genau das Richtige.

00:15:03: Und ich habe auch das Glück, dass ich im Moment viele schöne Aufträge bekommen hab und eben davon leben darf – und das ist ein großes Geschenk!

00:15:15: Ich hoffe nicht auf Holz, daß es so bleiben

00:15:17: darf.

00:15:21: Es ist lang ja auch gerade spannend, was du erzählst.

00:15:22: Dass du im November auch ein Quartett in Wien da die Ohraufführung hast und so.

00:15:27: Also es sind wirklich sehr unterschiedliche Besetzungen dann für die du schreibst wenn ich das so raushöre?

00:15:32: Ja total jetzt im Moment schreibe ich mein erstes Ballett eben auf einem großen Orchester.

00:15:38: auch ein schönes großes Kinder-und-Jugendbuch weil sich da vertun darf.

00:15:46: Offiziell darüber sprechen darf ich es noch nicht.

00:15:48: Aber ja, absolut!

00:15:53: Also in jeder Hinsicht an ein großes Geschenk.

00:15:56: Und gibt es Momente beim Komponieren, indem dich deine eigene Musik überrascht?

00:16:04: Das ist aber eine tolle Frage die hat sich noch nie gestellt bekommen.

00:16:08: Das freut mich.

00:16:12: Ja doch manchmal sitzt man da und denkt sich... Woher kam das denn jetzt?

00:16:19: Wo geht das jetzt hin?

00:16:21: Es gibt ja manchmal von Autoreinen auch, dass die das erzählen.

00:16:24: Die Figur hatte ich gar nicht da gesehen aber irgendwie ist sie in die Richtung gelaufen und passiert plötzlich das und das.

00:16:31: Ja finde ich auch schön wenn man sich das offen hält also wenn man... Ich mag es sehr dann so damit zu spielen so egal ob das kann ich mir gut vorstellen als Autorin oder Auto dass man mit den Figuren spielt die Möglichkeiten in welche Richtung könnte es gehen?

00:16:48: und so ist es beim Komponieren für mich auch mit der Musik, dass ich dann vor einer Erfindung sitze.

00:16:53: Woher auch immer sie kommt?

00:16:54: Und dann war ein bisschen damit spielen das sicher sehr ähnlich.

00:17:00: Und nehmen wir uns noch mal ein bisschen mehr mit.

00:17:02: wie beginnt bei dir denn wirklich ein neues Werk?

00:17:04: Ist da erst die Melodie eine Anfangsmelodie oder irgendein Gefühl im Bild?

00:17:10: also Wie ist so der Moment eins wenn du dich hinsetzt?

00:17:18: Das ist unterschiedlich.

00:17:19: Ja, manchmal ist es ein Gefühl was man denkt oder was man versucht einzufangen.

00:17:24: Manchmal ist das ein Bild, was sich vielleicht anbietet.

00:17:31: Keiner muss jetzt einen Wald oder ein Wasser.

00:17:35: in dem Taxi gibt's natürlich sehr viele Bilder und trotzdem muss man die Waage halten.

00:17:43: zu vertun ich jetzt das Gefühl Was in mir aufkommt, wenn ich dem Bild gegenüberstehe oder mache es andersrum und stelle das Bild da.

00:17:51: Und lasse das Gefühl frei ist.

00:17:55: Hast du ein bestimmtes Setting was du dann brauchst zum Komponieren?

00:17:58: Also jeder der irgendwie kreativ schafft hat ja manchmal so Ich brauche jetzt den Stuhl.

00:18:02: Ich denke gerade an Glengut und seinen Stuhle Oder die bestimmte Kaffeesorte whatsoever.

00:18:09: also gibt's da irgendwie Tools die du dringend brauchst um kreative zu werden?

00:18:14: Ich wäre froh, wenn ich die hätte.

00:18:16: Wenn du das wirst!

00:18:18: Okay...

00:18:19: Ich kenne aber nur wenige... Ja es gibt eine Komponistin, Galina Oswaldskaya.

00:18:27: Die saß immer in so einem Birken-Weltchen bei St.

00:18:30: Petersburg und hat gesagt da hatte sie ihre Kreativität geschöpft.

00:18:36: Aber das ist der einzige Fall den ich kenne.

00:18:39: ehrlich gesagt also sonst Also was, was der hilft ist eben Zeit.

00:18:48: und aber also ich liebe Tage die ganz langweilig sind.

00:18:54: Und diese relativ rar.

00:18:59: Ja, die Kinder sind wunderbar, wo jetzt kein Anruf kommt keine E-Mail wo man nicht irgendwas erledigen muss.

00:19:09: Ich hatte mich früher mal gefragt, so bei den ganz großen Künstlern.

00:19:14: Wenn man die Tagebücher liest und ich halt straus, also jeder Tag genau gleich... Also von der Uhrzeit wurde komponiert, dann wurde spazieren gegangen, dann gab es Korrespondenzen.

00:19:28: Und mir denkt so hoch wie kann man denn so gewaltige Musik schreiben?

00:19:32: Und irgendwie so einen stupiden Tagesablauf, wo dann immer auch noch die gleiche Uhrzeit Skat gespielt wurde.

00:19:41: Aber ich kann es mittlerweile total verstehen!

00:19:43: Weil solche Tage liebe, wo ich weiß, es kommt nichts Aufregendes und das passiert nicht.

00:19:48: Das sind die besten.

00:19:49: also...

00:19:50: Also quasi wenn in dir drin der Sturm anfangen soll zu wüten?

00:19:53: Das ist ein bisschen sehr brutales Bild, da muss es aber außen ruhig sein.

00:19:58: Ja,

00:19:59: für kreative Stunden.

00:20:02: Ja, ja, vielleicht trifft es das gut.

00:20:05: Gehen wir mal ins Gegenteil?

00:20:06: Wie gehst du denn mit Phasen um in denen so gar nichts funktionieren will?

00:20:10: Das flutscht ja nicht immer.

00:20:13: Böses Worten will ich gar nicht munten.

00:20:18: Also gibt es auch.

00:20:19: tatsächlich ist es ein bisschen wie Klavier üben oder für einen Sport trainieren.

00:20:27: je mehr man schreibt und vor allem regelmäßig, um so leicht da geht das.

00:20:32: Also umso schneller kann man auch Gedanken, Synchroen aufschreiben oder sitzt man einfach dran und arbeitet?

00:20:41: wenn ich merke es, wenn ich längere Pausen mache dann gibt's so Ja wir waren auf der Geige und plötzlich gehen die Finger nicht mehr so schnell.

00:20:50: Ich weiß nicht warum aber das finde ich ganz faszinierend eigentlich.

00:20:54: Und Phasen in denen nichts einfällt gibt es natürlich auch, aber wenn man als Komponist freischaffend lebt also wirklich nur davon.

00:21:07: Dann braucht man natürlich eine gewisse Regelmäßigkeit an Werken die man schreibt und aufsträgen die man hat und damit auch Abgabetermine die zum Glück im Kalender stehen und das hilft dann manchmal auch schon ganz gut.

00:21:23: Oh ja, das kann ich sehr gut noch vollziehen.

00:21:26: Das ist im Journalismus auch auf jeden Fall hilfreich.

00:21:28: so eine Datelein.

00:21:30: Genau.

00:21:32: Ist jetzt eigentlich ein bisschen ne blöde Frage weil du das wahrscheinlich gar nicht so pauschal sagen kannst.

00:21:36: aber wie viele Stücke im Jahr komponierst du?

00:21:39: So ist es wahrscheinlich unterschiedlich denn manche Werks sind viel größer als andere.

00:21:43: Aber gibt's so einen Schnitt?

00:21:47: Das ist eine gute Frage und da müsste ich jetzt mal nachgucken selber, die kann ich gar nicht so beantworten.

00:21:53: Und ja wie du sagst natürlich ... Ich hatte jetzt erst vor dem Hey-Hey-Hey Taxi einen sehr großen Oper zu Ende geschrieben.

00:22:05: Da sitzt man dann schon fast ein Jahr dran.

00:22:11: Also über zwei Stunden Musik mit Coe im großen Orchester Genau.

00:22:20: Also gar nicht so spontan, gar nicht beantworten... Der schnellste Komponist irgendwie ist das hätte ich mal recherchiert, war Telemann.

00:22:27: Aber wirklich?

00:22:29: Er hat ja auch unendlich viel komponiert ne?

00:22:30: Ich glaube es ist wirklich ein

00:22:32: sehr krasses Überbruch.

00:22:33: Ja genau!

00:22:37: Wann weißt du denn jetzt ist ein Stück wirklich fertig?

00:22:43: Da ist uns auch eine gute Frage weil man also es gibt natürlich einen Moment wo man sagt So lass ich stehen, so ist es alles gesagt oder das ist alles gemacht mit den musikalischen Motiven.

00:23:00: So ist jetzt die Geschichte zu Ende.

00:23:02: Es ist so orchestriert dass man das einem jetzt nichts mehr einfällt auf die Schnelle aber es ist natürlich trotzdem.

00:23:11: dann kommt dann oft ja sehr viel später manchmal Jahre später die Urführung und dann würde einem doch noch was einfallen oder würde man den Kompositionsprozess doch noch ein bisschen verlängern.

00:23:28: Manchmal gibt es aber auch einfach einen Moment, wo man sagt ja so lass ich das jetzt erst mal ruhen und das ist auch gut.

00:23:37: Ich meine dass das extremen Beispiel, was mir jetzt dazu anfangen würde wäre Prokne der sein ganzes Leben lang an allen Influenen gleichzeitig geschrieben hat und dann seine letzte nicht mehr fertig bekommen hatte.

00:23:47: und da denke natürlich auch hätte er doch

00:23:50: Schade.

00:23:53: Aber nun ist es ja...

00:23:55: Du bist ja auch schon in die Filmmusik eingestiegen und ihr wart da mit einem Film, wenn ich das richtig gelesen habe auf der Shortlist der Oscars sagt man das so?

00:24:06: Wie war das?

00:24:07: So mal filmen Luft zu schnuppern dann auf so einer Premiere zu sein ist doch nochmal sehr anders als jetzt eine Opernueraufführung oder so.

00:24:17: Ja, vollkommen anders.

00:24:20: Das war sehr schön.

00:24:21: und diese plötzliche Nähe zum Oscar... Also das wäre für den Film oder für die Architektur natürlich gewesen nicht jetzt für die Musik aber trotzdem diese Nähe zu etwas was einem eigentlich unglaublich weit weg erscheint eine ganz schöne Kapriole und zeigt irgendwie dass man doch manchmal einfach die Dinge näher liegen als man denkt.

00:24:49: Ja, genau.

00:24:53: Und das war eben während Corona als ich angefangen hatte mich selbstständig zu machen als Komponist.

00:25:00: Eben während der Corona-Zeit wo alle die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben.

00:25:05: aber ich habe es also nie bereut und hatte dann eine Ausbildung als Filmkomponiste.

00:25:11: bislang es gibt so einen Studiengang in Zürich Film, Theater und Medien.

00:25:16: Den hat dich gemacht und das war mein einziger Film bis jetzt, zu dem ich die Musik geschrieben und produziert habe.

00:25:21: Und das war natürlich ein Glücksfall!

00:25:24: Das lag aber auch in der Regisseurin.

00:25:26: Die ist einfach wahnsinnig gut und ich hoffe dass sie noch viele Filme machen wird.

00:25:33: Ja

00:25:34: und

00:25:34: ihr weiß

00:25:35: vielleicht dann wieder mit deiner Musik oder vielleicht hören ja jetzt auch gerade vielen Regisseursinnern zu?

00:25:40: Dann sag ich dir, dass es in Graz ein sehr guter Komponist ist.

00:25:44: Ja genau!

00:25:49: Vielen Dank für die Werbung.

00:25:53: Welchen Musik hörst du denn selbst wenn du nicht arbeitest?

00:25:56: Hörst du überhaupt Musik dann?

00:25:59: Ich höre gerne Musik.

00:26:03: Das ist ganz schwer zu beantworten.

00:26:13: Natürlich gehe ich vielen Konzerten, also so viel die Zeit was eben hergibt.

00:26:21: Also wenn ich jetzt live im Sieg höre dann glaube ich würde ich sagen fast ausschließlich klassische Werke.

00:26:32: Neu oder alt egal aber genau das ist sicher so.

00:26:37: Aber man sitzt ja als Komponist auch sehr viel dran eben das Notenbild zu erstellen, die Stimmen und so weiter.

00:26:46: Das ist auch sehr viel Arbeit und da ist die Bandbreite sehr groß.

00:26:51: Ich mag es immer wenn Musik was zu erzählen hat, was zu sagen hat also egal in welchem Genre und auf welche Sprache oder mit oder ohne wird.

00:27:00: Also wenn ich merke, dass da sitzt jemand dahinter der will etwas sagen, er will etwas mitteilen.

00:27:06: Der hat auch etwas mitzuteilen dann finde ich es spannend.

00:27:15: Ich muss gerade an unser Studium denken und das glaube ich so eine CD, damals hat man glaube ich noch CDs gehört.

00:27:22: So alt sind wir da doch schon!

00:27:24: Der When I Was The Social Club glaube ich schon so ein Soundtrack des Studiums war oder?

00:27:29: Also wenn ich gerade so zurückdenke... Das wurde schon viel gehört

00:27:33: bei

00:27:33: gemeinten Arten.

00:27:34: Ja ja siehst du ja, diese ganzen... Diese Ecke.

00:27:39: Ja,

00:27:40: zeitlose Musik irgendwie.

00:27:43: Wären wir noch mal ein bisschen politisch zum Schluss?

00:27:47: Muss Kunst für dich Haltung zeigen?

00:27:56: Muss sie nicht glaube ich.

00:27:59: erst einmal muss Kunst gar nichts müssen.

00:28:08: Dann ist es am stärksten und wenn das... Also, ich würde das tatsächlich ein bisschen trennen.

00:28:20: Muss Kunsthaltung zeigen?

00:28:23: Nicht unbedingt!

00:28:23: Müssen Künstlerinnen und Künstlerehaltungen zeigen?

00:28:30: Ja... Also es gäbe jetzt die unterschiedlichsten Beispiele wo...

00:28:36: Komplett auf die Situation an, ne?

00:28:39: Ja genau.

00:28:41: Es gibt Künstle oder Komponisten in der Geschichte, die haben Haltung gezeigt in einer völlig falsche Richtung, wo man das verurteilt.

00:28:58: Und es gibt Komponisten die haben das in eine andere Richtung gezeigt und die werden dann ein bisschen so da drauf beschränkt.

00:29:03: also jetzt zum Beispiel Schwastakowitsch oder sowohl wo man jedes Werk untersucht was hat das politisch zu sagen?

00:29:09: Ich finde dadurch macht man diesem Musik total klein weil das viel mehr ist als nur... Das ist jetzt nur eine politische Antwort.

00:29:17: Also weiß ich sicher auch, aber irgendwie finde ich es schöner das Werk zu befreien.

00:29:26: Aber natürlich kommt man dann damit auch an seine Grenzen.

00:29:30: Das ist schwer zu sagen.

00:29:32: Ja

00:29:36: und nein höre ich so ein bisschen raus oder weder noch?

00:29:39: Das wäre wahrscheinlich die richtige Antwort.

00:29:43: Toll wenn sie es kann!

00:29:46: Ich finde nicht, dass Kunst irgendwas muss.

00:29:50: Gibt es einen Klang aus deiner Kindheit den du bis heute in dir trägst?

00:29:57: Das ist auch eine sehr schöne Frage.

00:29:58: ja sicher ich ja.

00:30:03: doch es sind wahrscheinlich die tatsächlich die ersten Stücke die ich so geschrieben habe das erste Stück mit dem ich ein Wettbewerb gewonnen hatte als weiß ich nicht zwölfjähriger, dreizehnjährige so was Das, weil es kommt dann irgendwann der Punkt wo man sich überlegen muss was man schreibt wie man schreibt wie das klingt.

00:30:25: Wo das auch von allem an von außen einen dran getragen wird.

00:30:29: und dass war auch damals der Grund warum ich erst mal nicht den Komponierweg eingeschlagen habe Und viele Jahre gebraucht hat mich wieder zurück zu besinnen und sozusagen zur der Phase in der Ich einfach geschrieben hab ohne drüber nachzudenken.

00:30:46: Natürlich denke ich drüber nach, aber indem ich mich nicht von außen beeinflussen darf.

00:30:51: Und das ist für mich ein Idealzustand, den man aber irgendwie ständig wieder suchen muss.

00:30:57: Ja als Kind ist man da irgendwie freier oder unbelästeter von so vielen anderen Eindrücken.

00:31:04: Voll und dann kommen die Erwachsenen und sagen einem wie es auszusehen hat, wie es zu klingen hat und dann muss man sich da erst wieder befreien.

00:31:15: Letzte Frage?

00:31:17: bevor wir in unsere Hop- oder Top-Kategorie einsteigen.

00:31:20: Was wünscht du dir denn, dass das Publikum nach einem Abend mit deiner Musik nach Hause nimmt?

00:31:27: Oh, da ist auch eine sehr schöne Frage!

00:31:31: Ich würde mir wünschen, dass sie bewegt sind, diese musikalische Geschichte und diese Erzählung, die sie vorhin geführt haben.

00:31:46: Sei es in dem in diesen ein zwei Stunden oder sei es grundsätzlich, aber dass sie bewegt sind.

00:31:55: Ja ich glaube das wäre mein größter Wunsch oder ja das schönste zu wissen.

00:32:03: Schönes Schlusswort für unser großes Interview!

00:32:05: Jetzt kommen wir zur Hop- oder Top-Kategorie.

00:32:07: Ich habe es dir, bevor wir hier den Rekordknopf gedrückt haben schon gesagt... Wir haben die in jeder Folge.

00:32:14: Ich stelle dir für fünf Fragen entweder oder aber wir sind ja auch bei den Montfort der Zwischentönen das heißt wenn ihr die Antworten beide nicht gefallen kannst du auch quasi den Joker ziehen und was dazwischen nehmen.

00:32:26: los geht's hopp oder top früh morgens komponieren oder nachts?

00:32:39: Am liebsten nachts.

00:32:41: ich glaube dass ist noch ein bisschen der Auch der Theaterrhythmus, der in mir drin ist.

00:32:45: Ach schön!

00:32:46: Bleistift oder Tablet?

00:32:51: Definitiv in der Reihenfolge.

00:32:53: Ah ja okay.

00:32:53: Schön.

00:32:56: Tradition oder Experiment?

00:33:01: Das schließt sich gar nicht aus.

00:33:03: Denn die beste Tradition war mal ein Experiment.

00:33:07: Sehr guter Antwort.

00:33:08: Wow.

00:33:09: Stille oder Applaus?

00:33:16: Ich weiß nicht, ob ich Hopp oder Top antworten kann.

00:33:20: Je nachdem... Also still ist natürlich schon etwas Wunderbares, weil da die Menschen noch mehr vereint sind in dem Ereignis was gerade stattfand als wenn sie alle applaudieren.

00:33:35: Oskar für Filmmusik?

00:33:37: Oder Uraufführung an der Staatsoper?

00:33:40: Urafführung am Staatsoper!

00:33:41: Ich mag das mehr mit echten Menschen Musik zu machen.

00:33:46: Habe ich mir irgendwie gedacht.

00:33:48: Ja, sehr schön.

00:33:49: Peter ich danke dir.

00:33:50: das war ein wunderbares Gespräch und ihr könnt echt immer noch weiter fragen weil es wirklich so ein spannendes Feld ist in dem du dich bewegst.

00:33:58: Ich würde jetzt aber sagen wenn unsere Zuhörerinnen Lust bekommen haben da eben noch weiter einzusteigen dann sollten sie unbedingt im November vorbeikommen zu hey-hey-hey Taxi und die ganze Familie mitbringen denn es ist ja vor allem ein Familien- und Kinderstück und wir sind sehr gespannt darauf und freuen uns ganz toll.

00:34:16: Ich wünsch bitte ihr bis dahin noch sehr gutes Schaffen.

00:34:20: Ja, danke schön!

00:34:21: Ich freue mich den ein oder anderen dann zu sehen.

00:34:23: Genau

00:34:23: und dann sagen wir erst mal bis November vielen Dank.

00:34:26: Ja ich danke dir auch.

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